19.08.2020

Rückkehr aus dem Katastrophengebiet

Zwei Helfer aus Wörrstadt waren in Beirut vor Ort

Wörrstadt / Beirut – Die Bewohner von Beirut, der Hauptstadt des Libanon, werden noch lange mit den Folgen der schrecklichen Explosion zu kämpfen haben, die sich am 04. August dieses Jahres ereignet hat. Die enorme Stoßwelle versetzte das gesamte Hafenviertel der Stadt in pures Chaos: Häuser wurden vollkommen zerstört, Autos flogen durch die Luft oder implodierten und noch über viele Kilometer sind alle Fensterscheiben durch die Druckwelle zersprungen. Zahlreiche Menschen wurden verletzt oder getötet. In den Nachrichten bietet sich uns ein Bild der Zerstörung, dessen Ausmaß man sich kaum vorstellen mag. Eins ist klar: allein kann das Land, das auch noch mit den massiven Folgen der Corona-Pandemie kämpft, diese Krise nicht bewältigen.

Um Herr über die Katastrophenlage zu werden, wurde daher Hilfe auf internationaler Ebene angefordert. Auch die Bundesregierung Deutschland ist diesem Ruf gefolgt und hat die Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (SEEBA) des Technischen Hilfswerks alarmiert. Rund 50 Helferinnen und Helfer reisten in den Libanon, um die Hilfskräfte vor Ort zu unterstützen. Auch zwei Helfer des THW Wörrstadt waren darunter. Patrick Moll und Christopher Hiemsch, beide schon mehrere Jahrzehnte ehrenamtliche Helfer des THW Wörrstadt und seit langer Zeit auch Teil der Auslandseinheit SEEBA. Wir haben Sie gefragt, was ihre Aufgaben vor Ort gewesen sind und wie sie die Situation hautnah erlebt haben.

Patrick Moll trat dem Wörrstädter Ortsverband im Jahr 2002 bei. Hintergrund war der Gleiche, wie bei vielen anderen jungen Männern zu dieser Zeit: er wollte der Wehrpflicht entgehen und entschied sich stattdessen für das ehrenamtliche Engagement. Zu unserem Glück erkannte er schnell eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung darin und ist uns aus diesem Grund auch bis heute erhalten geblieben. Die SEEBA-Ausbildung, die eine gesonderte Ausbildung darstellt und mit diversen Hürden einhergeht, absolvierte er zehn Jahre nach seinem Beitritt. Dort übernimmt er nun seit rund vier Jahren die Funktion des sogenannten „Logistic Officer“. Doch was bedeutet das genau? Wie der Name schon sagt, geht es hier vor allem um logistische Aufgaben. Bei ihm liegt im Auslandseinsatz die Verantwortung über das mitgeführte Material aus Deutschland. So auch in Beirut. Alles, was ins Einsatzgebiet mitgebracht wird, muss stets wieder mit zurückgenommen werden. Ganz oben steht dabei die Kontrolle der Packlisten und der Zoll- und Gefahrgutpapiere. Aber auch vor Ort hat er eine wichtige Aufgabe: Sei es Beschaffung von Material und Versorgungsgütern, die Verpflegung der THW Helfer vor Ort oder auch die Verwaltung der sogenannten Geldstelle. Der Einsatz in Beirut hat ihn dabei besonders getroffen: „Wenn man auf der Straße unterwegs war, wurde man nicht nur begrüßt, es wurde uns auch immer gleichzeitig gedankt,“ erinnert sich Patrick und betont: „Vor Ort wurde einem erst bewusst, mit welchen Missstände das Land derzeit zu kämpfen hat, das ja auch noch mit den Folgen der Wirtschaftskrise und der Corona-Pandemie kämpft.“ Ein Ereignis während des Auslandeinsatzes ist ihm dabei besonders im Gedächtnis geblieben: „Am Tag der Abreise waren wir am Flughafen, dort hat eine Mutter ihren Sohn zu uns geschoben, damit er sich bei uns bedanken kann. Das war schon sehr bewegend.“

Christopher Hiemsch ist aus den gleichen Gründen ein Mitglied des THW Wörrstadt geworden, wie Patrick. 2004 trat er der Hilfsorganisation bei und absolvierte 2012 die Ausbildung bei der SEEBA. Seine Funktion, die er dort nun seit zwei Jahren einnimmt, ist der sogenannte „Camp Manager“. Er selbst vergleicht seine Aufgaben dabei mit denen eines Hoteldirektors. Bei der Ankunft in Beirut war es zunächst wichtig, das gesamte Material sicher zur Einsatzbasis zu bringen, wo die Helfer auch untergebracht wurden. Doch bereits hier gab es die ersten Komplikationen, denn das Englisch der Ansprechpartner vor Ort war mehr schlecht als recht und auch die Uhren laufen dort etwas anders, als wir es in Deutschland vielleicht gewohnt sind. So dauerte es rund 11 Stunden, bis Christopher den Flughafen in Beirut endlich mitsamt Material verlassen konnte, um sich den nächsten Aufgaben zu widmen: nämlich der Organisation von Unterbringung und Verpflegung der THW Einsatzkräfte vor Ort. Das bedeutet: Zelte aufschlagen, Feldbetten hinstellen und abwechslungsreiche Mahlzeiten ermöglichen. Es ist eine Funktion mit vielfältigen Tätigkeitsfeldern, bei der er auch auf die Unterstützung der Einheimischen angewiesen ist. Beispielsweise wenn es um die Beschaffung eines Gabelstaplers geht, um das Material auch abladen zu können. „Bei der Kommunikation muss man sich dabei auch mal mit Händen und Füßen aushelfen, oder auch mal auf sein zeichnerisches Talent zurückgreifen,“ resümiert Christopher lachend.

Der Einsatz in Beirut hat auch bei ihm viele Spuren hinterlassen. Bereits bei der Abreise kam es zu einem Ereignis, dass wahrscheinlich allen beteiligten Einsatzkräften noch lange in Erinnerung bleiben wird: „Wir hatten das Problem, dass unser Material, dass wir mitführen mussten, nicht in das Flugzeug reinpasste und umgeladen werden musste. Aus diesem Grund kam es zu rund drei Stunden Verspätung. Wir waren nicht die einzigen Fluggäste. Zahlreiche Menschen, die in Beirut auch Verwandte und Bekannte haben, saßen mit uns im Flieger und wir hatten schon Angst, dass wir damit deren Wut auf uns ziehen. Als der Pilot jedoch eine kurze Ansprache hielt, um den Grund der Verspätung zu erklären, schlug uns nicht der erwartete Unfrieden entgegen. Stattdessen sind alle Fluggäste aufgestanden und haben uns applaudiert und uns gedankt. Das war schon ein einzigartiges Erlebnis.“

Ebenso wie Patrick erlebte auch Christopher vor Ort die außergewöhnliche Dankbarkeit. So auch bei den libanesischen Soldaten Joe und Michael, die ihn bei der Erledigung seiner Aufgaben unterstützen. „Sie haben kaum geschlafen, waren immer bei uns, um uns zu unterstützen und sind wirklich nur zum Duschen und einem schnellen Essen zu ihren Familien nachhause gegangen. Sie wollten gar nicht weg und waren vor allem von unserem Teamwork sehr begeistert.“


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